Wirkstoffe: Iodum ut povidonum iodinatum.
Hilfsstoffe: Ammonium nonoxynol-4 sulfate, glycerolum, acidum citricum, dinatrii phosphas, aqua purificata.
1 ml Lösung enthält:
11 mg Iod als Povidon-Iod/ml.
Desinfektion von Haut und Schleimhaut vor chirurgischen Eingriffen.
Desinfektion von Wunden, Brandwunden, Hautrissen und Schürfungen.
Gegen bakterielle, mykotische und virale Hautaffektionen.
Bei Säuglingen unter 6 Monaten darf Videne nicht angewendet werden, bei Kleinkindern nur nach strenger Indikationsstellung.
Auf das zu desinfizierende Gebiet gleichmässig und dicht auftragen. 2–3 Minuten einwirken resp. eintrocknen lassen.
Bei Bedarf wiederholen. Die Behandlung sollte solange erfolgen, wie Anzeichen einer Infektion oder einer besonderen Infektionsgefährdung vorliegen resp. bis zur Abheilung. Bei Infektionsrezidiven kann die Behandlung wieder aufgenommen werden.
In einer Reihe von Indikationen empfiehlt es sich, Videne in verdünnter Form zur Anwendung zu bringen.
Zur Verdünnung eignen sich je nach Anwendungsgebiet Wasser, steriles Wasser, sterile physiologische Kochsalzlösung oder auch Phosphatpuffer (pH 6,8 Ophthalmologie). Folgende Verdünnungen haben sich in der Praxis als günstig erwiesen:
Vaginal-Spülung: 1:25;
Harnblase: 1:20/1:10;
Peritoneum/Thorax: 1:20;
Colon: 1:10;
Wundspülungen: 1:10;
Kieferchirurgie: 1:20/1:10.
Ophthalmologie präop.: 1:8.
Sitz-/Tauchbad: 1:25;
präoperatives Bad: 1:500/1:100;
hygienisches Vollbad: 1:1000.
Bei Infektionen (Peritonitis, Osteomyelitis usw.) ist vor dem Einsatz von Videne, wegen dem Risiko der Endotoxinfreisetzung aus den geschädigten Bakterien, zuerst eine Spülung mit physiologischer Kochsalzlösung zur Vorreinigung vorzunehmen.
Es ist zu verhindern, dass Videne in der Wunde oder Körperhöhle verbleibt.
Verdünnte Lösungen sind wegen verkürzter Stabilität zum Sofortgebrauch bestimmt. Dies trifft insbesondere für mit Phosphatpuffer verdünnte Lösungen zu.
Überempfindlichkeit gegenüber Iod oder einem der Inhaltsstoffe gemäss Zusammensetzung,
bei Hyperthyreose und anderen manifesten Schilddrüsenerkrankungen,
bei Dermatitis herpetiformis Duhring,
vor einer Radio-Iod-Therapie (bis zum Abschluss der Behandlung),
bei Neugeborenen und Säuglingen unter 6 Monaten.
Bei Patienten mit blanden Knotenstrumen und nach Schilddrüsenerkrankungen sowie bei prädisponierten Patienten mit autonomen Adenomen bzw. funktioneller Autonomie (besonders bei älteren Patienten) sollte Videne vor allem über längere Zeit und grossflächig (z.B. über 10% der Körperfläche und länger als 14 Tage) nur nach strenger Indikationsstellung angewendet werden, da eine nachfolgende iodinduzierte Hyperthyreose nicht ganz ausgeschlossen werden kann. In diesen Fällen ist auch nach Absetzen der Therapie (bis zu 3 Monate) auf Frühsymptome einer möglichen Schilddrüsenüberfunktion zu achten und ggf. die Schilddrüsenfunktion zu überwachen.
Bei metabolischer Azidose und Nierenversagen sollte Videne nicht angewendet resp. die Behandlung abgebrochen werden.
Bei Säuglingen über 6 Monaten soll Videne nur nach strenger Indikationsstellung angewendet werden; dabei sollte die Schilddrüsenfunktion überwacht werden.
Bei vermuteter Iodüberempfindlichkeit empfiehlt sich, vor der Anwendung auf kleinem Bezirk die Verträglichkeit zu überprüfen
Bei der Anwendung darauf achten, dass Videne sich nicht in Hautfalten oder unter dem liegenden Patienten ansammelt oder unter Elektrodenkontaktstellen dringt. Durch die grossen Mengen von verfügbarem Iod können in solchen Situationen Hautirritationen oder sogar Hautschädigungen auftreten.
Videne darf mit Präparaten, die folgende Substanzen enthalten, nicht zusammen angewendet werden, da eine Teilinaktivierung stattfinden kann: Chlorhexidin, Silbersulfadiazin, Alkalien, Quecksilber.
Allfällige Interaktionen mit anderen Präparaten äussern sich optisch in einer Entfärbung von Videne. Eine Entfärbung ist gleichbedeutend mit einer Wirkungsabnahme.
Videne nicht gleichzeitig mit oder unmittelbar nach der Anwendung von Antiseptika auf Octenidin-Basis auf denselben oder benachbarten Stellen verwenden, da es dort anderenfalls zu vorübergehenden dunklen Verfärbungen kommen kann.
Bei gleichzeitiger Anwendung von Videne und enzymatischen Wundbehandlungsmitteln wird durch Oxidation der Enzymkomponente die Wirkung beider Arzneimittel abgeschwächt. Letzteres gilt auch für Wasserstoffperoxid und Taurolidin sowie für silberhaltige Desinfektionsmittel (Bildung von Silberiodid).
Eine gleichzeitige Lithium-Therapie kann einen additiven oder synergistischen hypothyreoten Effekt haben. Bei Patienten, die unter einer Lithium-Therapie stehen, soll Videne deshalb mit Vorsicht und nur kurzfristig angewendet werden.
Es gibt klare Hinweise für Risiken des menschlichen Fötus bei längerdauernder (>1 Woche) Anwendung iodhaltiger Präparate nach dem ersten Schwangerschaftstrimenon. Iodid durchdringt die Plazentarschranke und kann zu Veränderungen der Schilddrüsenfunktion oder Struma beim Fötus und Neugeborenen führen. Iod geht in die Muttermilch über.
Videne soll deshalb während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden, ausser es sei absolut notwendig. Eine Kontrolle der Schilddrüsenfunktion beim Neugeborenen resp. Säugling wird empfohlen.
Videne hat keinen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen.
Ein Teil des aus dem Povidon-Iod-Komplex freigesetzten Iods wird resorbiert. Bei längerfristiger Anwendung können durch die erhöhten Iodspiegel gelegentlich adaptive, reversible Mechanismen auf der Hypothalamus-Hypophysen-Thyreoidea-Achse ausgelöst werden. In Studien wurden eine leichte Erhöhung des Serum-TSH sowie ein schwaches Absinken von T4 und T3 nachgewiesen.
Sehr selten: iodinduzierte Hyperthyreose.
Selten allergische Reaktionen, sehr selten anaphylaktische Reaktionen.
Gelegentlich können Haut- und Schleimhautreizungen auftreten. In solchen Fällen ist die Behandlung mit Videne abzubrechen.
Bei akzidenteller Einnahme grösserer Mengen Videne (7 g/kg KG) können folgende Symptome auftreten: epigastrische Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen sowie Durchfall, Polydipsie, Krämpfe im abdominalen Bereich, Hypertonie, Tachykardie, Cyanosis, Kopfschmerzen, Schwindel, Delirium, Kollaps und Benommenheit.
Bei einer Intoxikation empfiehlt sich nebst der supportiven Behandlung die sofortige Gabe von Stärkelösung bzw. Natriumthiosulfat. Gegebenenfalls Magenspülung mit Natriumthiosulfat-Lösung.
Darüber hinaus sollte eine sorgfältige klinische Überwachung der Schilddrüsenfunktion erfolgen, um eine evtl. iodinduzierte Hyperthyreose auszuschliessen bzw. frühzeitig zu erkennen.
ATC-Code: D08AG02
Videne wirkt bakterizid, fungizid, sporozid, protozoozid und viruzid. Diese mikrobizide Wirkung ist auf die Iodierung und Oxidierung vitaler Strukturen der Mikroorganismen durch Iod zurückzuführen, das aus dem Povidon-Iod-Komplex freigesetzt wird. Die Wirkung tritt rasch ein, ist irreversibel und wird durch Blut, Eiter oder Sekret nur unwesentlich beeinflusst.
Bei der Anwendung von Videne wird ein gewisser Anteil des aus dem Povidon-Iod-Komplex freigesetzten Iods durch die Haut resorbiert. Nach der Anwendung kann eine Erhöhung der Iodkonzentration im Serum gemessen werden. Ebenfalls lässt sich im Urin eine erhöhte Iodausscheidung feststellen.
Was die perkutane Absorption von Iod betrifft, besteht ein signifikanter Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern.
Beim Säugling und beim Neugeborenen kann die wiederholte Applikation von Desinfektionsmitteln auf der Basis von Povidon-Iod zu schweren Störungen der Schilddrüsenfunktion führen.
Bei wiederholter Applikation auf offenen Wunden sowie bei der Behandlung von grossen Verbrennungen oder von Personen mit Niereninsuffizienz können die Schilddrüsen- oder Nierenfunktion beeinträchtigt werden.
Subchronische und chronische Toxizitätsprüfungen wurden u.a. an Ratten in Form der Beimischung von Povidon-Iod (10% verfügbares Iod) zum Futter, in Dosierungen zwischen 75 und 750 mg Povidon-Iod pro Tag und kg Körpergewicht, über bis zu 12 Wochen durchgeführt. Dabei wurden nach Absetzen der Povidon-Iod-Zufuhr lediglich weitestgehend reversible und dosisabhängige Anstiege des PBI (proteingebundenes Iod) im Serum und unspezifische, histopathologische Veränderungen der Schilddrüse beobachtet. Gleichartige Veränderungen traten auch in den Kontrollgruppen auf, die Kaliumiodid in Iod-äquivalenten Mengen anstelle von Povidon-Iod erhielten.
Ein kanzerogenes Potential kann nicht ausgeschlossen werden, da Langzeit-Kanzerogenitäts-Studien zu Povidon-Iod nicht vorliegen.
Wegen der Plazentagängigkeit des Iods und der Empfindlichkeit des Feten gegenüber pharmakologischen Iod-Dosen dürfen während der Schwangerschaft keine grösseren Iod-Mengen resorbiert werden. Die Verwendung von Povidon-Iod in der Geburtshilfe kann zu einem signifikanten Anstieg der Serum-Iod-Konzentration bei der Mutter und zu vorübergehender Unterfunktion der Schilddrüse mit Erhöhung der TSH-Konzentration bei dem Neugeborenen führen. Darüber hinaus wird Iodid in der Milch gegenüber dem Serum angereichert.
Durch die oxidativen Eigenschaften von Iod können Metalle korrodieren. Kunststoffe sind im Allgemeinen beständig. Von Fall zu Fall kann jedoch eine meist reversible Verfärbung auftreten.
Szintigraphische Schilddrüsenuntersuchungen können durch die gleichzeitige Anwendung von Videne beeinflusst werden. Zwischen einer Behandlung mit Videne und einem Szintigramm sollte eine Karenzzeit von 1–2 Wochen eingehalten werden.
Unter der Behandlung mit Videne können Schilddrüsenfunktionen reversibel verändert sein. Dies ist bei entsprechenden diagnostischen Untersuchungen zu berücksichtigen.
Iod-Dämpfe können Kunststoffe, Beläge, Anstriche usw. verfärben. Deshalb Packungen mit Videne gut verschliessen. Bei Anwendung, vor allem in kleinen und geschlossenen Räumen, auf gute Durchlüftung achten. Wenn bei der Anwendung als Bad in der Umgebung ein gelblicher Niederschlag auftritt, wird eine sofortige Reinigung empfohlen.
Videne-Flecken können aus natürlichen Fasern mit Wasser und Seife, aus synthetischen Fasern mit verdünntem Salmiakgeist oder Natriumthiosulfat-Lösung ausgewaschen werden.
Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.
Die Aufbrauchfrist nach Anbruch von Videne beträgt 4 Wochen.
Bei Raumtemperatur (15–25 °C) und für Kinder unerreichbar lagern.
62217 (Swissmedic).
Videne Lös 500 ml (HDPE-Flasche). (D)
Ecolab (Schweiz) GmbH, Kriegackerstrasse 91, 4132 Muttenz.
April 2007.